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Zur Geschichte der Parochie Gaußig

Ein historisches Essay von Herrn Pfarrer G. Frey

(Pfarrer der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Gaußig)

 

 Lithographie von Gaußig

 

1071 wird ein Dorf der heutigen Kirchgemeinde Gaussig erwähnt: Drauschkowitz.

"Drogobudowice" wird einem freien Mann, mit Namen Bor von Bischof Benno zum Lehen gegeben. "quidam liber homo,Bor vocitatus,natione sclavus." Damit ist erstmalig der Name eines sorbischen Adligen urkundlich belegt. Von der einstigen Wasserburg ist nichts erhalten.

 

Ortsansicht von Drauschkowitz nach einem Stich um 1830

 

Erst ab Mitte des 13.Jahrhunderts wird die Quellenlage günstiger. Die LAUSSITZER Grenzurkunde vom 7.Mai 1241erwähnt die meisten Dörfer der Gaußiger Parochie. Urkundlich erscheinen Glieder einer Familie "de Gusk" ab 1245 in der Lausitz. Bald nach der Mitte des 15.Jahrhunderts gehörte das Stammhaus nicht mehr diesem Adelsgeschlecht.

Im 14.Jahrhundert kam es zur Klärung wichtiger kirchlicher Angelegenheiten. Vom Jahre 1376 sind uns die Namen der Pfarrer bekannt. Diese waren dem Pfarrer der Gödaer Kirche unterstellt. Unklarheiten im Verhältnis der beiden Geistlichen lies der Gödaer Pfarrer beräumen, indem er sich durch den päpstlichen Legaten in Prag bestätigen lies, dass die Pfarrer von Neschwitz und Gaussig ihr Pfarrlehn von dem Pfarrer zu Göda empfingen und ihm Gehorsam und Ehrerbietung schuldig seien.

Durch die Hussitenunruhen1429 und 1431wurde auch Gaussig heimggesucht. Die Kirche wurde verwüstet und ausgebrannt. Erst in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts konsolidierten sich die Verhältnisse.Um 1450 wurde ein neues Geläut angeschafft. Eine kleine Glocke trug die Inschrift:

O rex gloriae veni cum pace. Johannes Lucas. Die mittlere Glocke: hilf got maria beroht, was wir beginnen, dass es ein gut end gewinne. Über die grösste Glocke findet sich nur die Nachricht, dass sie 6 Zentner wog und zersprungen war.

Vom Jahre 1472 hat sich in Gaussig, als einzigem Kirchort im Kreis Bautzen ein Flügelretabel erhalten.

 

Flügelaltar von 1472 in der Gaußiger Kirche

 

Ob der Steinmetz Briccius Gauske aus Gaussig stammt, oder der Familie "de Gusk" angehört, ist nicht mehr klärbar. Ihm wird die Erstellung der Monumentalplastik des Königs Matthias Corvinus an der Ortenburg in Bautzen zugeschrieben.

 

 

Matthiasturm in Bautzen (Quelle: wikipedia)

 

Das Jahrhundert der Reformation

Die Reformation der Lausitz wies Besonderheiten auf:

1. Ihre auffällig langsame Gangart. Sie dauerte von 1520-1620.

2. Sie hatte keine bedeutenden Führer.

3. Sie wurde nicht auf Betreiben der Obrigkeit durchgeführt, sondern entstand aus dem Volk heraus.

4. Es gab keine Märtyrer.

5. Römisches und lutherisches Kirchenwesen waren über einen langen Zeitraum miteinander verflochten, z. B.:

  • Taufe richtete sich nach der Parochie, nicht nach Konfession der Eltern,
  • juristische Verbindungen zwischen Kloster und Domstift sowie evangelischen Gemeinden im Bautzener Land.

 

Gaussiger Kirchenstreit

Das bis dahin bischöflische Amt Stolpen kam mit all seinen Dörfern, durch Tausch, in die Administration des sächsischen Kurfürsten. Die Gaussiger Pfarrer widersetzten sich, auch gegen ihren Kirchenpatron, allen Versuchen, die Reformation durchzuführen.

Die mehrheitlich evangelisch gesinnte Bevölkerung hält sich zum grossen Teil zu den Kirchen der Umgebung. Gaussig wurde zu einer röm.-kath. Enklave.

Die Auseinandersetzung um das Benuzungsrecht der Gaussiger Kirche erreichen im November 1608 einen Höhepunht darin, dass sowohl Kurfürst als auch Domkapitel den Kircheneingang mit einem Schloss versahen. Erst September 1611 wurde dieser Zustand beendet. Durch politische Veränderungen in Böhmen war es dann 1619 möglich, den Gaussiger Kirchenstreit durch Einsetzung eines evangelischen Pfarrers zu beenden.

 

Das 17. Jahrhundert

1619 wurde mit Caspar Arentinus der erste evangelische Pfarrer in sein Amt in Gaussig eingeführt. Er hatte bis zum Ende des Jahrhunderts noch 10 Nachfolger. 1648 brannte das Pfarrhaus ab. Die heutigen Kirchenbücher gehen auf dieses Jahr zurück. Die Orte Gnaschwitz und Schlungwitz wurden 1694 nach Gaußig eingepfarrt, ihre alte Kirche St. Nicolai in Bautzen. war in den Kriegswirren untergefangen.

 

Das 18. Jahrhundert

Es wurde von der Pfarrerfamilie Rheinisch-Noack geprägt.

Der Berufung des Pfarrers Matthäus Rheinisch, 1706, folgte 1734 sein Schwiegersohn Andreas Noack im Amt. Andreas Noack wurde 1706 in Dretschen geboren. Dessen Sohn, Gottlob Ehrenfried, folgte seinem Vater 1780 als Gaussiger Pfarrer. Er starb 1810. Der Bau des Pfarrhauses 1751 und des Kirchturmes 1786, fällt in ihre Amtszeit. Bedingt durch seine Lage interessierten sich wichtige Diplomaten für Gaussig.1747 kaufte Graf Brühl das Schloss. Er lies es vom Landesbaumeister Johann Christoph Knöffel umbauen und eine Parkanlage im französischen Stil errichten.

Bereits am 2. Januar1750 gingen die Güter Gaussig u.a. an Hermann Carl Reichsgrafen von Keyserling über. Dieser war russischer Gesandter am Hof von Warschau und Dresden. Unter ihm erfüllten sich die Bitten der Gaussiger Pfarrer nach einem neuen Pfarrhaus.

Nach seinem Tod,1764, wurde Gaussig an Peter Freiherrn von Riaucour gegeben. Dessen Sohn Andreas, der als Kursächsischer Gesandter in den Reichsgrafenstand erhoben wurde, erlies besondere Erbbestimmungen. Danach sollte die älteste Tochter im Besitz folgen und ihr Gatte den Namen und das Wappen der Riaucours mit tragen müssen. 1777 vermähle sich Gräfin Henriette von Riaucour mit dem Grafen Carl Theodor von Schall.

 

Das 19. Jahrhundert - Der "Umbau"

Auf engsten Raum ist in Gaußig alles vereint, was zur Lebenskultur des alten Deutschland gehörte:

  • Kirche und Friedhof,
  • Schloß und Park,
  • Gut und Schule,
  • Pfarrhaus und Kantorat
  • Spiegelsaal im Schloß,
  • Saal mit Bühne im Gasthof,
  • Försterei, Brauerei, Molkerei.

 

Jedes wesentliche Gewerke hatte im Ort seinen Vertreter. Und da der Ort sehr gut sortiert war, kann anhand der Hausnummern die Ortsgeschichte geschickt gegliedert werden.

 

Nummer 1: Die Kirche

Sie war wohl eines der ältesten Gotteshäuser in der Lausitz. Ihr baulicher Zustand war bedenklich. Bedingt durch die Abhaltung von deutschen und wendischen Gottesdiensten war die Gemeinde geteilt und der Platzmangel etwas gemildert. Aber der Fortschritt verlangte nach Licht, Luft und Sonne. Eine einfache Lösung wäre die nochmalige Verlängerung des Gotteshauses gewesen; etwa die dritte in ihrer Baugeschichte. Aber damit wäre die Zufahrt zum Schloß und zum Gut stark beeinträchtigt worden. Ebenso verbot es sich den Kirchturm abzureißen. Damit gewann die Radikallösung die Oberhand. Aus Zittau holte man sich dafür den Sachverstand. Ab 1834 hatte der Zittauer Carl August Schramm die Hauptkirche der Stadt nach den Plänen von Carl Friedrich Schinkel ausgeführt. C. A. Schramm war nicht nur ein wichtiger Student Schinkels und Direktor der Baugewerkeschule in Zittau, er empfahl sich durch herausragende architektonische Leistungen, wie das Rathaus seiner Vaterstadt, die Staatsbauschule und verschiedene lausitzer Kirchen. Wegen der Kriege 1866 und 1871 konnte es nicht losgehen. Auch starb August Schramm. Aber sein Sohn Julius vertrat den Vater würdig. Um die nötige Baufreiheit zu schaffen, wurden ab 1855 die Beerdigungen um die Kirche eingestellt und der alte Gaußiger Friedhof 1873 regelrecht abgeschafft. Die Zerstörung der alten Gaußiger Kirche trug in sich eine Brutalität, die ihresgleichen suchte. Das neue Gotteshaus hatte nun keinerlei Erinnerung an die Geschichte der Gemeinde vor Augen zu führen. Sämtliche alten Grabsteine, das alte Abendmahlsgerät, der Bilderschmuck von Decke und Emporen, alte Leuchter, Kreuze, Paramente, Gewänder sowie Erinnerung an adlige Familien fielen dem Modernisierungswahn zum Opfer. Der Intervention einer alten Pfarrerstochter verdanken wir den Erhalt der einzigen barocken Grabmäler des alten Friedhofes.

 

Barocker Grabstein mit alter sorbischer Inschrift

 

Nachdem alles ausgeräumt war erahnten viele, was sie verloren hatten. Allein ein spätgotischer Altaraufsatz blieb in Gaußig erhalten.Der Kirchenpatron bewahrte ihn im Schloß auf. Der Hauptaltar und seine Bildwerke wurde veruntreut. Lediglich eine Figur und einige Teile der Verzierung haben sich erhalten.

 

 

 

 Heutige Innenansicht der Gaußiger Kirche (oben: Richtung Ausgang; unten: Richtung Altar)